Warum ich Journalistin bin

Ich hatte schon während des Studiums den Wunsch, als freie Journalistin im Ausland zu arbeiten, um Missstände aufzudecken, die in der Auslandsberichterstattung untergehen und um das Verständnis für gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge zu fördern. Mit viel Geduld, Anstrengung und Durchhaltevermögen habe ich es geschafft, diesen Wunsch in die Realität umzusetzen. Aber der Berufsalltag als freie Journalistin ist nicht immer einfach. Die Berichterstattung über Lateinamerika in deutschen Medien ist häufig einseitig und untergeordnet, da die meisten großen Medien nur eine*n oder gar keine*n Korrespondent*in auf dem Kontinent haben. Deshalb glaube ich, dass die Arbeit von freien Journalist*innen besonders wichtig ist, weil wir die Hintergründe und Zusammenhänge der Länder, in denen wir leben, besser kennen und verstehen.

Der Journalismus motiviert mich, weil er für mich mehr ist als nur ein Job. Er gibt mir die Möglichkeit, Situationen sichtbar zu machen, die nur wenig Aufmerksamkeit in deutschen Medien erhalten und die Leser und Hörer an Orte mitzunehmen, die sie sonst nicht kennenlernen würden. Er gibt mir die Möglichkeit, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mich bewegen und Menschen zu treffen, die mich inspirieren.

Ich habe einen starken Sinn für Gerechtigkeit, der mich auch in meiner journalistischen Arbeit antreibt. Durch meine Reportagen möchte ich zum Beispiel die globalen Zusammenhänge des Wirtschaftssystems aufzeigen, unter denen die Menschen und die Umwelt in Lateinamerika leiden. In Chile hat mich schon immer der Enthusiasmus beeindruckt, mit dem sich die Menschen für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen. Als ich 2014 nach Chile kam, protestierten im ganzen Land die Schüler*innen und Student*innen für ein gerechteres Bildungssystem, 2016 die Frauen für eine Lockerung des Abtreibungsrechts und gegen Frauenmorde, 2018 berichtete ich über die feministischen Universitätsbesetzungen, 2019 über den Lehrer*innenstreik, und dann kam im Oktober 2019 die landesweite Revolte.